Mit seinem traditionellen Frühjahrskonzert läutete der Musikverein Stadtkapelle Weil der Stadt e.V. am 4. Mai 2019 sein 190-jähriges Bestehen ein. Zum Jubiläums-Auftakt war die Festhalle bis auf den letzten Platz besetzt. Die insgesamt rund 90 Musiker der Stadt- und Jugendkapelle bewiesen ihr hohes Niveau und ließen ein breites Spektrum moderner und klassischer Blasmusik erklingen. Die Zuhörer zeigten sich begeistert von der dargebotenen musikalischen Reise durch die Welt.

Die Stadtkapelle unter Leitung von Stadtmusikdirektor Markus Eichler begann schwungvoll mit dem belgischen Stück „Flashing Winds“ von Jan Van der Roost. Anspruchsvoll ging es weiter mit der Suite „Tirol 1809“ von Sepp Tanzer, die vom Befreiungskampf der Tiroler Bevölkerung von der bayerisch-französischen Besatzung im Jahr 1809 erzählte. Dieses Stück war dem Blasorchester wie auf den Leib geschrieben. Mit Pathos und ausdrucksstark ließen die Musiker Geschichte lebendig werden. Der erste Satz „Aufstand“ erzählte mit einem antifranzösischen Lied von der Unterdrückung und Einigkeit der Tiroler. Im zweiten Satz „Kampf am Berg Isel“ hallte zunächst die Weise "Wach auf" wie ein Gebet über das Gebirge, bevor im schnellen Tempo der Aufmarsch am Berg thematisiert wurde. Im dritten Satz fühlte sich das Publikum in die verlassenen Täler Tirols versetzt, in die die Siegesfanfaren erklangen. Den ersten Konzertteil beendete die Stadtkapelle feurig und kraftvoll mit der lateinamerikanischen Fantasie „El Camino Real“ von Alfred Reed. Darin geht es um den historischen königlichen Weg zwischen den Missionsstationen entlang der Küste Kaliforniens. Gekonnt meisterten die Musiker auch schnelle Tempi und Akkordfolgen, wie sie seit Generationen von spanischen Flamenco-Gitarristen gespielt werden.

Anschließend zeigte die Jugendkapelle, was sie mit dem neuen Jugenddirigenten Danilo Walter eingeübt hatte. Lyrisch und gut intoniert starteten die rund 25 Jungmusiker mit dem Konzertstück „Kalahari“ von Luigi di Ghisallo. Mit afrikanischen Klängen beschrieben sie den Zug einer Elefantenherde entlang des Okavango-Flusses durch die Savanne Südafrikas. Schwungvoll ging es weiter mit Soundtracks zu „Star Wars“ von John Williams. Ganz in ihrem Element war der musikalische Nachwuchs auch beim Medley “One Direction in Concert”, das Melodien wie “What Makes You Beautiful”, “Live While We’re Young” und “One Way or Another” der englisch-irischen Popband umfasste. Unter großem Applaus verabschiedete sich die Jugendkapelle mit dem Retro-Rock-Stück „Mini-Rock ‘n‘ Roller-Skates“ als Zugabe.

Nach einer kurzen Pause wurde zunächst dem Klarinettisten Gerhard Max eine besondere Ehrung zuteil: Für 50 Jahre aktives Musizieren erhielt er von Emilio Diaz, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Blasmusik-Kreisverbands Böblingen, die Ehrennadel in Gold mit Diamant und Ehrenurkunde. Diaz lobte die Qualität des Konzerts und gratulierte zum Jubiläum. Dabei betonte er, dass die Stadtkapelle Weil der Stadt der zweitälteste Musikverein im ganzen Kreis Böblingen sei. Dann ging die musikalische Reise weiter. Die Stadtkapelle entführte das Publikum im zweiten Konzertteil zunächst in den Balkan: Die Rhapsodie „Paidushko“ von Alfred Bösendorfer begann mit einem feurigen ungarischen Czárdás, bevor ruhigere Klänge aus Slowenien folgten. Ihr Temperament zeigten die rund 65 Musiker bei wilden Tanzklängen, die in ein leidenschaftliches slawisches Zigeunerlied übergingen. Nicht minder riss der folgende mexikanische „Danzón Nr. 2“ von Arturo Márquez die Zuhörer in den Bann. Das moderne Stück im Tanzstil Danzón überzeugte durch rhythmische Akzente und Tempi-Wechsel sowie Soli von Klarinette, Oboe, Klavier, Trompete, und Piccolo-Flöte. Ihr breites musikalisches Spektrum bewies die Stadtkapelle auch mit „Hummel Gets the Rockets“ von Hans Zimmer, in dem sie mit einprägsamen Melodien den US-Actionthriller „The Rock“ intonierte, der auf der Gefängnisinsel Alcatraz spielte. Nach diesem spannenden Stück folgte das abwechslungsreiche Medley „Frank Sinatra Classics“ mit mehreren stimmungsvollen Passagen für Saxophon. Es erklangen bekannte Hits wie „New York, New York”, “Somethin' Stupid“, „Fly Me to the Moon“ und „My Way“. Das kurzweilige Konzert endete schließlich mit zwei Zugaben, wie sie verschiedener kaum sein können: Dem temperamentvollen “Marsch de Medici” sowie sachten, gefühlvollen Klängen aus dem Schlaflied „Guten Abend, Gut Nacht.“

Die nächste Jubiläumsveranstaltung der Stadtkapelle Weil der Stadt findet am Pfingstwochenende statt: Am 8. und 9. Juni ist die Bevölkerung herzlich zum traditionellen Frühlingsfest an der Stadtmauer (Kinoparkplatz) eingeladen. An diesem Event wird auch der niederländische Musikverein aus Schoonhoven teilnehmen, mit dem die Stadtkapelle eine enge Freundschaft pflegt.