Mit einem beeindruckenden Frühjahrskonzert meldete sich der Musikverein Weil der Stadt am 7. Mai 2022 auf der Bühne zurück. Vor ausverkauftem Haus begeisterten die Stadtkapelle unter Leitung von Stadtmusikdirektor Markus Eichler und die Jugendkapelle mit Jugenddirigent Danilo Walter das Publikum in der Festhalle Weil der Stadt. Der musikalische Blumenstrauß umfasste ein abwechslungsreiches Programm aus klassischen, modernen und volkstümlichen Stücken.

 

Nach der Begrüßung durch den stellvertretenden Vorsitzenden Joachim Klamser führte Flötistin Claudia Fuhrmann charmant und informativ durch das Programm. Die rund 50 Musikerinnen und Musiker der Stadtkapelle eröffneten das Konzert mit der heitern Ouvertüre „Der Barbier von Sevilla“ von Gioachino Rossini. Mit seinen temporeichen, gut gelaunten und einprägsamen Melodien gewann die schwungvolle Ouvertüre etwas mehr als 200 Jahre nach ihrer Uraufführung schnell die Gunst der Zuhörer.

 

Mitreißender Applaus für „orchestralen Thriller“

Der Höhepunkt des Abends war sicherlich das folgende, von Claudia Fuhrmann als „orchestraler Thriller“ beschriebene Höchststufen-Stück „The Island of Light“ (Insel des Lichts). Der zeitgenössische spanische Komponist José Alberto Pino vertont darin eine Legende von der Insel Menorca. Das Blasorchester machte diese über 25 Minuten lange symphonische Dichtung, begleitet von synthetischen Soundeffekten, zu einem wahren Klangerlebnis. Orientalisch angehauchte Melodien beschrieben im ersten Satz, wie ein Nordafrikaner namens Xoroi auf Menorca strandet. Im zweiten Satz „On the Clouds“, beschrieben gefühlvoll dargebotene Soli von Klarinette, Oboe, Flöte und Klavier die malerische Insellandschaft, während die Musiker im dritten Satz „The Giants“ durch sichere Tempowechsel, mitreißende Rhythmik und Klangfülle überzeugten und dafür mit langanhaltendem Applaus belohnt wurden. Der erste Teil endete schließlich mit dem imposanten ungarischen Konzertmarsch „Kiniszi“ von Julius Fučík.

 

Jugendkapelle interpretiert bekannte Film-Musiken

Im zweiten Teil des Konzerts zeigte der musikalische Nachwuchs mit Filmmusiken zu „Jurassic Park“, „Eisprinzessin“ und „Der Pate“, was er bereits zu leisten vermag. Zunächst begaben sich die Jungmusikerinnen und -musiker mit unverkennbaren Melodien aus Steven Spielbergs Science-Fiction-Klassiker auf die Spuren von Spinosaurus, Brachiosaurus, Tyrannosaurus Rex und Co. Mit „Frozen“ folgte ein Medley aus dem Soundtrack des Walt-Disney-Films „Die Eiskönigin“. Zu hören waren hier Hits wie “Do You Want To Build A Snowman?”, “For the First Time in Forever” und dem mit dem Film-Oskar ausgezeichneten Song “Let It Go”. Cool und unverfroren erzählten die Jungbläser darin die Geschichte der Prinzessin Elsa, die Eis, Frost und Schnee zaubern konnte. Auf die Jugendkapelle perfekt zugeschnitten war auch das dritte Stück „The Godfather“ von Nino Rota. Die einzelnen Register warfen sich eingängige Melodien aus dem Mafia-Film „Der Pate“ zu und gestalteten den Soundtrack überzeugend und abwechslungsreich. Klar durfte nach einem so gelungenen Auftritt eine Zugabe nicht fehlen – in diesem Fall in Form des schmissigen Rocksongs „Livin‘ on a Prayer“ von Bon Jovi.

 

Klaus Walter mit Fördermedaille des Kreisverbands ausgezeichnet

Mit der Zugabe verabschiedete sich zudem Danilo Walter als Jugenddirigent. Joachim Klamser dankte ihm im Namen der Vorstandschaft für sein Engagement in den letzten vier Jahren und verriet, dass Markus Eichler ab sofort auch die Jugendkapelle dirigieren wird. Anschließend ehrte Emilio Diaz, der neue Vorsitzende des Blasmusik-Kreisverbandes Böblingen, Kathrin Göhner für 30 Jahre und Michael Kurz für 40 Jahre aktives Musizieren. Michael Kurz erhielt zudem eine Urkunde und die Ehrenmitgliedschaft in seinem Verein. Eine besondere Ehrung ließ Emilio Diaz dem ersten Vorsitzenden des Musikvereins Stadtkapelle Weil der Stadt zuteil werden: Für 25 Jahre Ehrenamt und seinen außerordentlichen Einsatz für die Blasmusik erhielt Klaus Walter vom Kreisverband die Fördermedaille in Gold mit Diamant.

 

Abwechslungsreich: von der afrikanischen Savanne bis zur Steiermark

Wer glaubte, der Stadtkapelle ginge nach dem anspruchsvollen ersten Teil die Luft aus, hatte sich gründlich getäuscht: Mit dem schmissigen Stück „Gelato con Caffé“ (Eis mit Kaffee) des japanischen Komponisten Toshio Mashima ließen die Musiker die bitter-süßen Seiten des Lebens sozusagen auf der Zunge zergehen. Feurige Samba-Rhythmen wechselten zwischen Holz- und Blechbläsern. Spätestens nach dem mitreißenden Schlagzeug-Solo war das Publikum auch ohne Kaffee wieder hellwach. Einen großen Kontrast bildete das vom Schweizer Mario Bürki komponierte Stück „Jambo Africa“, dem die sehr schöne Bühnendekoration gewidmet war. Die musikalische Reise begann mit einem Sonnenaufgang in der Serengeti. Dann bewies die Stadtkapelle, dass sie auch notensicher afrikanisch singen kann. Conga-Trommeln und zusätzliche Klangeffekte, erzeugt ohne Mundstück mit Saxophon und Klarinette, ließen das Brüllen einer Gnu- und Zebraherde am Lake Manyara erleben. Nicht weniger laut war anschließend der Applaus der Zuhörer. Dann Szenenwechsel mit „The Crazy Charlston Era“ von Stefan Schwalgin in das Berlin der Goldenen 1920er-Jahre. In zahllosen Lokalen, Varietés und Cabarets wurde dort damals der neue amerikanische Charleston getanzt. Wunderbar gelang in dem vitalen Medley zum Beispiel das neckische Zusammenspiel von Piccoloflöte und Tuba. Aber auch die Trompete, Posaune, Saxophon und Klarinette stachen immer wieder in Solo-Passagen hervor. Besonders das ältere Publikum geriet beim anschließende Potpourri „Im Weissen Rössl“, ebenfalls arrangiert von Stefan Schwalgin, sichtlich ins Träumen. Songs wie „Die ganze Welt ist himmelblau“, „Im Salzkammergut“ und „Mein Liebeslied muss ein Walzer sein“ ließen Urlaubsromantik am Wolfgangsee aufkommen. Mit den beiden Märschen „Oh du mein schönes Böhmen“ und „Hoch Heidecksburg“ brachte die Stadtkapelle die Festhalle noch einmal zu Beben und beendete einen rundum gelungenen Start in den musikalischen Frühling.