von 1953 - 1960

 

Um der Kapelle den notwendigen Nachwuchs zu sichern, entschloß sich die Vorstandschaft zur Gründung einer Jugendkapelle, deren Leitung Gottlob Ackermann übernahm. Noch im Jahre ihrer Gründung 1951 wirkte die Jugendkapelle bei verschiedenen Festen im Kreis Leonberg mit und beteiligte sich auch an mehreren Kritikspielen erfolgreich. Besonders erwähnenswert ist, daß sie am 14. Juni 1953 beim 7. Vorarlberger Bundesmusikfest unter der Leitung von Otto Schirrmeister beim Wertungsspiel in der Mittelstufe einen 1. Preis mit 95 Punkten mit dem Stück „Bergheimat" von Sepp Tanzer erringen konnte.

 

Im Juli 1953 feierte die Stadtkapelle Weil der Stadt in würdigem Rahmen unter Mitwirkung der Jugendkapelle und den folgenden Gastkapellen
- Musikverein Stadtorchester Feuerbach
- Stadtmusik Solothurn/Schweiz
- Bürgerkapelle Ehrwald mit Trachtenverein/Österreich ihr 115jähriges Jubiläum.
Die 115jährige Tätigkeit der Stadtkapelle Weil der Stadt fand dann ihren Höhepunkt durch die Teilnahme am Internationalen Musikfest in Innsbruck vom 29. bis 31. August 1953 als Vertreter des Bundes Süddeutscher Volksmusiker.

Im Juni 1954 erwiderte die Stadtkapelle Weil der Stadt den Besuch der Stadtmusik Solo-thurn (Schweiz), wo es gelang, durch musikalische Darbietungen Weil der Stadt würdig zu vertreten.
Den Höhepunkt des Jahres 1954 bildete das Bundesmusikfest vom 10. bis 11. Juli 1954 in Aalen, bei welchem die Stadtkapelle Weil der Stadt in der Oberstufe mit der Ouvertüre „Brun-hilde" von Paul Andre\'e einen einen 1. Rang mit Lob der Jury (169 Punkt) errang.
Beim Bezirksmusikfest in Renningen vom 17. bis 18. Juli 1954 konnte trotz starker in- und ausländischer Konkurrenz die höchste Punktzahl des Tages erreicht werden. Den Abschluß der Saison 1954 bildete das Sommerfest vom 31. Juli bis 2. August, bei welchem die über die Grenzen Österreichs hinaus bekannte Wiltener Stadtkapelle Innsbruck mitwirkte, deren Darbietungen alles bisher Dagewesene in Weil der Stadt überboten haben.
Am 22. Mai 1955 nahm die Stadtkapelle Weil der Stadt am Wertungsspiel in Schaffhausen (Schweiz) beim Kantonalen Musikfest teil und erreichte in der Oberstufe die Note vorzüglich. (Passage weitgehend übernommen aus Leonberger Kreiszeitung vom 17. August 1956)

Als weiteren Höhepunkt in der Vereinsgeschichte darf dann die Durchführung des 6. Bezirksmusikfestes in Weil der Stadt bezeichnet werden, mit dem ein großes Wertungsspielen verbunden war. Durch die Überführung der Jugendkapelle, die große Erfolge im In- und Ausland zu verzeichnen hatte, in die aktive Stadtkapelle, erreichte das Blasorchester einen Stand, der sich zu den führenden im Bund Süddeutscher Volksmusiker zählen ließ.
Nach 21 jähriger Tätigkeit übergab Raimund Wolf 1957 aus gesundheitlichen Gründen die Leitung des Vereins an G. Wolfsperger.

Ein großes Anliegen der jeweiligen Vereinsführungen war es stets, die internationalen Beziehungen zu anderen Musikkapellen zu pflegen. So konnte man auf dem Sommerfest 1957 die bekannte Kapelle „Sempre Creszendo" aus Almelo, Holland, begrüßen. Neben ihr konzertierten auf diesem Fest das Musikkorps der 7. US-Army.
Völlig unerwartet verstarb am 24. November 1957 der damalige und für viele auch heute noch unvergessene Dirigent MD Otto Schirrmeister. Zum Nachfolger konnte als musikalischer Leiter Kapellmeister Helmuth Haase-Altendorf gewonnen werden. Unter seiner Leitung gelang es, die ständigen Entwicklungen nach oben fortzusetzen.

Die Kapelle errang beim VIII. Bezirksmusikfest in Magstadt beim Wertungsspiel in der Kunststufe die Note vorzüglich mit 118 Punkten.
Vom 20. bis 23. Juli 1958 erfolgte ein Gegenbesuch bei den Musikfreunden in Almelo, Holland. Beim Sommerfest 1958 hatte man erstmals das Orchester „Musica Cittadina di Locarno" aus der italienischen Schweiz zu Gast, denen zwei Jahre später, 1960, ein unvergeßlicher Gegenbesuch gemacht wurde.
Ein damals Beteiligter und heute noch aktiver Musiker erinnert sich:
Ein großes Ereignis war für die Stadtkapelle Weil der Stadt wahr geworden mit der Einladung, am internationalen Blumenkorso in Locarno mitzuwirken. Erwartungsvoll fuhren die Musiker mit Anhang unter dem damaligen 1. Vorsitzenden Herr Wolfsperger mit 2 Klingel-Bussen in das Tessin. Nach langer Fahrt kamen wir in Locarno an und wurden von der Orchestergesellschaft musikalisch empfangen. Nach der offiziellen Begrüßung durch die Vertreter der Stadt und den Veranstaltern des Blumenkorsos ging es in die Privatquartiere. Am Abend hatten wir nach einem gemeinsamen Essen im Strandhotel Gelegenheit die Filmfestspielstadt kennenzulernen oder einem Konzert an der Seepromenade beizuwohnen. An Sonntagmorgen gaben wir dann im Pavillion ein 2stündiges Konzert, das von vielen internationalen Zuhörern begeistert aufgenommen wurde. Unser damaliger Dirigent Herr MD Haase-Altendorf hatte ein anspruchsvolles Programm zusammengestellt. Nun zum eigentlichen Höhepunkt und zur großen Überraschung für uns alle. Die Jury hatte sich entschieden, daß wir von mehreren nationalen und internationalen Kapellen den Festzug anführen durften. Das war eine große Ehre für uns. Der Blumenkorso, jeder Wagen architektonisch mit lausenden von Blumen abgestimmt, war ein einmaliges Erlebnis. Er wird nur noch von dem Blumenkorso in Nizza übertroffen. Mehrere tausend Zuschauer aus den angrenzenden Nachbarländern zollten begeisterten Beifall.

Am Montag stand dann eine Dampferfahrt auf dem Lago Maggiore zur Insel „Brisago" auf dem Programm. Diese kleine Insel setzte alleTeilnehmer durch ihre üppige Blütenpracht und ihre subtropische Flora in Erstaunen.
Allzuschnell waren die u n vergessenen Tage vorbei und dem Chronist bleibt nur noch zu erwähnen, daß diese Reise mit zu den schönsten Erlebnissen in der Vereinsgeschichte zählt.
Für seine hervorragenden Leistungen erhielt Kapellmeister Haase-Altendorf am 20. April 1960 die Ernennungsurkunde zum Stadtmusikdirektor. Unter seiner Regie erhielt die Kapelle beim Wertungsspiel anläßlich des X. Bezirksmusikfestes in Gerungen 1960 in der Kunststufe einen 1. Rang mit 119 Punkten. Weitere schöne Erfolge wurden beim Heimatfest in Binswan-gen und bei den Großkonzerten inTuttlingen und Renningen erzielt.