Vom 18 Jahrhundert bis 1952

Die Anfänge der heutigen Stadtkapelle lassen sich bis ins frühe 18. Jahrhundert zurückverfolgen. Als freie Reichsstadt war Weil der Stadt zentraler Mittelpunkt kirchlichen und weltlichen Lebens. Kirche und Gemeinde waren stets aufs engste miteinander verbunden. Aus den alten Chroniken ist zu entnehmen, dass reges kulturelles Leben innerhalb der Mauern von Weil herrschte, was dann letzten Endes zur Bildung eines Instrumentalkörpers führte. So entwickelte sich eine Instrumentalgruppe, die hauptsächlich zu krichlichen Zwecken herangezogen wurde. Dieses Kirchenorchester bestand aus Violinen, Violen, Bass, Flöte, Oboe, Fagott und Pauken. Es wurde bei Bedarf durch Trompeten, Posaunen und Hörner verstärkt. Dieser Instrumentalteil wirkte insbesondere bei Prozessionen und Turmblasen mit.

Aus diesem rein kirchlichen Orchester wurde im Jahre 1829 unter der Leitung des Schulmeisters Molitor eine Blaskapelle gebildet, die nicht nur bei kirchlichen, sondern auch bei weltlichen Anlässen aufspielte. Die Kapelle führte zu dieser Zeit den Namen „Gardekapelle Weil der Stadt", wie aus dem Amtsblatt für das damalige Oberamt Böblingen und Leonberg aus diesen Jahren zu entnehmen ist. Auf einem noch vorhandenen Bild aus dem Jahre 1835, das anlässlich eines Treffens der Stadtgarden Württembergs auf der Solitude angefertigt wurde, ist u. a. auch die Stadtgarde Weil der Stadt mit ihrer Kapelle abgebildet. Sie war zu jener Zeit weit und breit die einzige ihrer Art und musste daher oft an vielen Orten der näheren und ferneren Umgebung bei verschiedenen Anlässen den musikalischen Teil bestreiten.

Die Entwicklung der Kapelle läßt sich vom Jahre 1829 bis 1922 lückenlos nachweisen, wo die nur 11 Mann starke Kapelle, deren Leitung Eduard Keinath (später Eugen Moroff) hatte, auf Vereinsbasis umgestellt wurde. Es gelang mit großer Einsatzfreude, die für eine Kapelle lebensnotwendigen Fragen, wie Neuanschaffungen von Instrumenten und Noten, in der Zeit nach dem 1. Weltkrieg zu lösen.

 

Von dieser Zeit an hat sich die Kapelle langsam, aber beständig hochgearbeitet. Die schönen Erfolge auf den Musikfesten in Schwäbisch Gmünd, Gerungen 1926, in Eltingen, Merklingen 1927, sowie in Zuffenhausen und Ditzingen 1928 sind die Beweise.
Raimund Wolf übernahm 1936 als 1.Vorsitzender die Vereinsleitung. Unter seiner Führung konnte im Jahre 1938 das 100jährige Bestehen unserer Stadtkapelle würdig gefeiert werden.
Auch im 2. Weltkrieg hat die Kapelle ihre Tätigkeit aufrecht erhalten. Nach Kriegsende konnte sie ihre kulturelle Arbeit sofort weiterführen. Bei der ersten Generalversammlung 1946 bestand die Kapelle bereits wieder aus 28 aktiven Musikern, deren Dirigent Wilhelm Kruck aus Gerungen war.
Von dieser Zeit an geht die Entwicklung der Kapelle ständig nach oben. Durch den Zugang von jungen, musikbegeisterten Menschen, besonders aber auch durch den Beitritt einer großen Zahl von Heimatvertriebenen war es möglich, einen hohen Leistungsstand zu erreichen und das Orchester zu einem hervorragenden Klangkörper zu formen.
Im Jahre 1948, nach der Währungsreform, feierte die Stadtkapelle ihr 110jähriges Bestehen und bewies damit nicht nur ihre starke Lebenskraft, sondern auch ihr Pflichtbewußtsein an der Pflege der deutschen Kultur.

Im Jahre 1950 übernahm MD Otto Schirrmeister die musikalische Leitung des Vereins und mit ihm begann der weitere Ausbau und Aufstieg der Kapelle. Folgende große Erfolge konnten u. a. mit ihm errungen werden:

1949 Bezirksmusikfest Ditzingen -
1. Preis Oberstufe mit „Nebukadnezar" von Verdi, Großkonzert im Althoffbau Stuttgart als Vertreter des Kreises Leonberg

1950 Bundesmusikfest Lauften a. N. -
sehr gut mit „Martha-Ouvertüre" von Flatow,
Bezirksmusikfest Malmsheim - vorzüglich Oberstufe mit dem gleichen Stück

1952 Bezirksmusikfest Altensteig-
vorzüglich Oberstufe mit „Fackeltanz" von Stiberitz