Chronik

1992

Mit Largo und Allegro aus der Wassermusik von Händel begann das anspruchsvolle Frühjahrskonzert, das jedes Jahr den Höhepunkt des musikalischen Schaffens bildet. Einige Stücke trägt die „Jugendgruppe 89" unter Markus Eichler bei. In Verbindung mit der Feier anläßlich der Stadterhebung vor 750 Jahren wird ein Musikfest mit abwechslungsreichem Programm durchgeführt. Zu Gast ist die schwedische Kapelle „Musikkär Äsensbruk". Sie überzeugt auch beim historischen Festzug. Die Präsentation der neuen Jugendkapelle in der Aula bei einem Vorspielabend zeigt die Früchte einer konzentrierten und zielgerichteten Aufbauarbeit im Jugendmusikbereich. Die Jugendleitung hatte Eltern, Verwandte, Gönner und Musiker der Stadtkapelle eingeladen. Josef Polster ist es gelungen, die „Jugendgruppe 89" und die „Jugendgruppe 91" in nur kurzer Zeit zu einem Klangkörper zu vereinigen. Die neuformierte Kapelle erspielt sich mit dem Stück „Ouvertüre über ein Spiritual" beim Jugendkritikspiel die Note „Sehr gut" in der Mittelstufe.
Unter der Leitung von Markus Eichler wird eine neue Jugendgruppe mit zunächst 14 Jugendlichen gegründet. Insgesamt besteht die Bläserschule als Nachwuchsschmiede für das Große Blasorchester aus 83 Musikern. Davon sind 43 in der Jugendkapelle. Viel Lob erntet an diesem Abend Rainer Herrmann, denn ohne sein beispielhaftes Engagement im Jugendbereich wäre diese Entwicklung nicht möglich gewesen. Erste Planungen für ein „Haus der Blasmusik" werden unternommen. Für sein unermüdliches Engagement in Sachen Jugend und Jugendausbildung erhält Jugendleiter Rainer Herrmann die höchste Vereinsauszeichnung, die Raimund-Wolf-Medaille.

 

1989

Josef Polster übernimmt den Taktstock bei der Stadtkapelle Weil der Stadt. Beim ersten
Konzert „Mit Musik in den Frühling" sind die Zuhörer begeistert, welch anspruchsvolles
Programm er in nur drei Monaten einstudiert hat.
Die Jugendgruppe wird neu gegründet und begeistert ebenfalls beim Frühjahrskonzert
mit ihrem musikalischen Können unter der Leitung von Josef Polster. Bei einer Radtour
ins benachbarte Malmsheim und einem Grillfest lernen sich die Jugendlichen besser
kennen.
Beim „Tanz-Ball 89" wird die Stadthalle zu einem rauschenden Ballsaal. Das Publikum
belohnt die Show- und Tanzeinlagen der Künstler mit langanhaltendem Beifall.

 

von 1961 - 1988

 

Im Jahre 1961 erfolgte ein erneuter Wechsel in der Leitung des Vereins. Als neuer Vorstand wurde Clemens Sattmann gewählt. Leider mußte der Weggang von MD Haase-Altendorf hingenommen werden. Erfreulicherweise konnte mit der Gewinnung von Kapellmeister Otto Oesterle die traditionsreiche musikalische Entwicklung fortgesetzt werden. Unter seiner Leitung konnte mit bestem Erfolg beim 5. Bezirksmusikfest des Bezirks Stuttgart-Filder 1961, beim Freundschaftstreffen in Spaichingen, beim Lehrkonzert am 25. November 1961 in Herrenberg als Vertreter der Kunststufe, für das Ansehen der Kapelle geworben werden. Da sich Clemens Sattmann ausdrücklich nur für 1 Jahr verpflichtet hatte, wurde bei der Generalversammlung am 6. Januar 1962 erneut zur Vorstandswahl geschritten. Auf dringendes Bitten erklärte sich Raimund Wolf wieder bereit, neben seinen vielen anderen Aufgaben, das verantwortungsvolle Amt des 1.Vorsitzenden zu übernehmen. Unter seiner organisatorischen Leitung fand im gleichen Jahr das 3. Bundesmusikfest in Ludwigsburg statt, bei dem auch unsere Kapelle einen schönen Erfolg in der Oberstufe mit einem 1. Rang und 116 Punkten bei einem internationalen Wertungsspiel erzielte. Rolf  Wiedemann wurde am 1. September 1962 neuer Dirigent der Stadtkapelle. Er übernahm die Leitung der Kapelle nachdem 1961 Musikdirektor Haase-Altendorf die Kapelle verließ und sein Nachfolger Kapellmeister Otto Österle bereits nach einem Jahr zurücktrat.
Der Nachwuchsfrage wurde ständig größte Aufmerksamkeit gewidmet. Am 26. Oktober 1959 wurde erneut eine Jugendkapelle gegründet. Die Ausbildung der Zöglinge erfolgte vornehmlich durch Jugendleiter Wenzel Walter jun. und bewährte, aktive Musiker.
Er leitete die Jugendkapelle bis 1976 und übergab sie nach einer beruflichen Veränderung an MD Rolf Wiedemann.

von 1953 - 1960

 

Um der Kapelle den notwendigen Nachwuchs zu sichern, entschloß sich die Vorstandschaft zur Gründung einer Jugendkapelle, deren Leitung Gottlob Ackermann übernahm. Noch im Jahre ihrer Gründung 1951 wirkte die Jugendkapelle bei verschiedenen Festen im Kreis Leonberg mit und beteiligte sich auch an mehreren Kritikspielen erfolgreich. Besonders erwähnenswert ist, daß sie am 14. Juni 1953 beim 7. Vorarlberger Bundesmusikfest unter der Leitung von Otto Schirrmeister beim Wertungsspiel in der Mittelstufe einen 1. Preis mit 95 Punkten mit dem Stück „Bergheimat" von Sepp Tanzer erringen konnte.

Vom 18 Jahrhundert bis 1952

Die Anfänge der heutigen Stadtkapelle lassen sich bis ins frühe 18. Jahrhundert zurückverfolgen. Als freie Reichsstadt war Weil der Stadt zentraler Mittelpunkt kirchlichen und weltlichen Lebens. Kirche und Gemeinde waren stets aufs engste miteinander verbunden. Aus den alten Chroniken ist zu entnehmen, dass reges kulturelles Leben innerhalb der Mauern von Weil herrschte, was dann letzten Endes zur Bildung eines Instrumentalkörpers führte. So entwickelte sich eine Instrumentalgruppe, die hauptsächlich zu krichlichen Zwecken herangezogen wurde. Dieses Kirchenorchester bestand aus Violinen, Violen, Bass, Flöte, Oboe, Fagott und Pauken. Es wurde bei Bedarf durch Trompeten, Posaunen und Hörner verstärkt. Dieser Instrumentalteil wirkte insbesondere bei Prozessionen und Turmblasen mit.

Aus diesem rein kirchlichen Orchester wurde im Jahre 1829 unter der Leitung des Schulmeisters Molitor eine Blaskapelle gebildet, die nicht nur bei kirchlichen, sondern auch bei weltlichen Anlässen aufspielte. Die Kapelle führte zu dieser Zeit den Namen „Gardekapelle Weil der Stadt", wie aus dem Amtsblatt für das damalige Oberamt Böblingen und Leonberg aus diesen Jahren zu entnehmen ist. Auf einem noch vorhandenen Bild aus dem Jahre 1835, das anlässlich eines Treffens der Stadtgarden Württembergs auf der Solitude angefertigt wurde, ist u. a. auch die Stadtgarde Weil der Stadt mit ihrer Kapelle abgebildet. Sie war zu jener Zeit weit und breit die einzige ihrer Art und musste daher oft an vielen Orten der näheren und ferneren Umgebung bei verschiedenen Anlässen den musikalischen Teil bestreiten.

Die Entwicklung der Kapelle läßt sich vom Jahre 1829 bis 1922 lückenlos nachweisen, wo die nur 11 Mann starke Kapelle, deren Leitung Eduard Keinath (später Eugen Moroff) hatte, auf Vereinsbasis umgestellt wurde. Es gelang mit großer Einsatzfreude, die für eine Kapelle lebensnotwendigen Fragen, wie Neuanschaffungen von Instrumenten und Noten, in der Zeit nach dem 1. Weltkrieg zu lösen.

 

Von dieser Zeit an hat sich die Kapelle langsam, aber beständig hochgearbeitet. Die schönen Erfolge auf den Musikfesten in Schwäbisch Gmünd, Gerungen 1926, in Eltingen, Merklingen 1927, sowie in Zuffenhausen und Ditzingen 1928 sind die Beweise.
Raimund Wolf übernahm 1936 als 1.Vorsitzender die Vereinsleitung. Unter seiner Führung konnte im Jahre 1938 das 100jährige Bestehen unserer Stadtkapelle würdig gefeiert werden.
Auch im 2. Weltkrieg hat die Kapelle ihre Tätigkeit aufrecht erhalten. Nach Kriegsende konnte sie ihre kulturelle Arbeit sofort weiterführen. Bei der ersten Generalversammlung 1946 bestand die Kapelle bereits wieder aus 28 aktiven Musikern, deren Dirigent Wilhelm Kruck aus Gerungen war.
Von dieser Zeit an geht die Entwicklung der Kapelle ständig nach oben. Durch den Zugang von jungen, musikbegeisterten Menschen, besonders aber auch durch den Beitritt einer großen Zahl von Heimatvertriebenen war es möglich, einen hohen Leistungsstand zu erreichen und das Orchester zu einem hervorragenden Klangkörper zu formen.
Im Jahre 1948, nach der Währungsreform, feierte die Stadtkapelle ihr 110jähriges Bestehen und bewies damit nicht nur ihre starke Lebenskraft, sondern auch ihr Pflichtbewußtsein an der Pflege der deutschen Kultur.

Im Jahre 1950 übernahm MD Otto Schirrmeister die musikalische Leitung des Vereins und mit ihm begann der weitere Ausbau und Aufstieg der Kapelle. Folgende große Erfolge konnten u. a. mit ihm errungen werden:

1949 Bezirksmusikfest Ditzingen -
1. Preis Oberstufe mit „Nebukadnezar" von Verdi, Großkonzert im Althoffbau Stuttgart als Vertreter des Kreises Leonberg

1950 Bundesmusikfest Lauften a. N. -
sehr gut mit „Martha-Ouvertüre" von Flatow,
Bezirksmusikfest Malmsheim - vorzüglich Oberstufe mit dem gleichen Stück

1952 Bezirksmusikfest Altensteig-
vorzüglich Oberstufe mit „Fackeltanz" von Stiberitz